Die ersten Schritte zur Deklaration der Städtepartnerschaft

Erster offizieller Besuch einer französischen Delegation / Kontakte über Heimkehrerverband seit 1960

Es war im Frühjahr 1967, als Dr. Robert Szigeti, der Bürgermeister von Montargis, über den Vorsitzenden des Kreisverbandes Münster der Heimkehrer signalisierte, dass er gern den Bürgermeister der Stadt Greven in seiner Stadt empfangen würde, um mit ihm Gespräche über eine mögliche Partnerschaft zwischen den beiden Städten zu führen.

Zu diesem Zeitpunkt waren bereits sieben Jahre vergangen, seit Mitglieder des Verbandes der Heimkehrer und ehemalige Kriegsgefangene aus dem Department Loiret (Orleans) sich zu Gesprächen zusammengesetzt hatten, um die Mauern einzureißen, die sich im Laufe der deutsch-französischen Nachbarschaft aufgetürmt hatten.

Dankbar nahm Aloys Wähning die Einladung seines französischen Amtskollegen an. Da Aloys Wähning auch dem Heimkehrerverband angehörte, bot es sich an, seinen Besuch als Repräsentant der Stadt Greven mit dem offiziellen Pfingstbesuch des Heimkehrerverbandes Münster in Orleans zu verbinden.

Tief beeindruckt von der Stadt Montargis und seinen Menschen kehrte er seinerzeit nach Greven zurück. Sein Besuch und die Gespräche in Montargis mit George Lalu, dem Vorsitzenden des Kreisgefangenen-Verbandes im Kreis Montargis, sollten die Basis für die künftige Partnerschaft sein.

Das Echo auf beiden Seiten nach dieser ersten offiziellen Kontaktaufnahme war durchaus freundlich, aber auch abwartend. Bürgermeister Wähning ließ seinerzeit jedoch „nichts anbrennen“.

Die Deklaration der Städtepartnerschaft

Bereits im Hauptausschuss am 30. Mai 1967 schlug er vor, die Partnerschaft mit Montargis zu begründen und Bürgermeister Dr. Robert Szigeti zu einem Gegenbesuch in die Emsstadt einzuladen. Der Rat stimmt eine Woche später zu. Die Einladung nach Montargis ging danach heraus. Die Zusage aus Frankreich traf bereits nach kurzer Zeit ein, nachdem der Rat von Montargis ebenfalls grünes Licht für eine Kontaktaufnahme gegeben hatte. Im November war es dann soweit. Die Caravelle der Air France mit Dr. Szigeti und einer zwölfköpfigen Delegation landete auf dem Flughafen Düsseldorf-Lohhausen. Auf dem Grevener Marktplatz begrüßte Aloys Wähning die Gäste. Beim abendlichen Empfang im ehemaligen Hotel Nettmann proklamierten beide Bürgermeister die Partnerschaft, die aber erst ein Jahr später Gestalt, annehmen sollte.

Das Echo war erneut positiv, doch in Montargis legten die Bezirksvereinigung der Deportierten, Internierten und Familien und die Bezirksvereinigung der deportierten und internierten Widerstandskämpfer ihr Veto ein und äußerten ihre Besorgnis über ein mögliches Aufleben des Neo-Nazismus. Verständlich, denn für die Franzosen war gerade mal ein Vierteljahrhundert vergangen, seitdem sie mit den deutschen Besatzern zum Teil leidvolle Erfahrungen gemacht hatten. Um diese Bedenken zu zerstreuen, beschloss der Rat, ein Schreiben an die beiden Vereinigungen zu schicken, in dem er sich mit Nachdruck gegen aufkeimende neofaschistische Bestrebungen ausspricht. Der Grevener Rat bekräftigte, dass er auf das Grundgesetz der Bundesrepublik vereidigt und alle antidemokratischen Kräfte zu bekämpfen bereit ist.

Doch weitere Unwägbarkeiten verzögerten im Jahr darauf die Besiegelung der Partnerschaft zwischen den beiden Städten. Unruhen und Streiks in Frankreich verhinderten den Besuch der Grevener Delegation, der schließlich Ende November 1968 zustande kam. 22 Grevener weilten in der für sie fremden Stadt. Am 28. November war es endlich soweit: Nach Abspielen der Nationalhymnen wurden die Partnerschaftsurkunden im Rathaus unterzeichnet.

Die Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde @MICHEL DURY PHOTO COLLECTION

Die Jumelage war feierlich besiegelt und heute, im Jahr 2018, ist die Vision von einem vereinten, friedlichen Europa der Gründungsvater unserer Städtepartnerschaft längst Wirklichkeit geworden. Doch es ist immer noch keine Selbstverständlichkeit in Freiheit und Wohlstand zu leben und deshalb hat die Idee, Austauschprojekte in den verschiedensten Bereichen wie Kunst und Kultur – Jugend und Sport zu organisieren, nichts an ihrer Strahlkraft verloren.

Wir leben und festigen das Band der Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen zu den verschiedensten Anlässen, egal ob privater oder offizieller Natur.  Die persönlichen Kontakte und das gefühlte und gelebte Miteinander sind ein starkes Zeichen dafür, dass wir auch die nächsten 50 Jahre die Idee der Völkerverständigung auf kommunaler Ebene weiter erfolgreich gestalten werden.

Bilder von Michel Dury vom Festakt der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunden

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