Grußwort von Regierungspräsidenten Dorothee Feller

« O mois des floraisons mois des métamorphoses
Mai qui fut sans nuage et Juin poignardé
Je n’oublierai jamais les lilas et les roses
Ni ceux que le printemps dans ses plis a gardé »

(« Oh Blütenmonate, Monate der Verwandlungen
Wolkenloser Mai und erdolchter Juni
Niemals werde ich die Fliederbüsche und die Rosen vergessen
Und auch die nicht, die der Frühling in seinen Falten zurückbehalten hat »)

Regierungspräsidentin Dorothee Feller

Mit diesen Worten beginnt das vielen Franzosen bekannte Gedicht „Les lilas et les roses“, in dem der französische Dichter Louis Aragon die traumatischen Erfahrungen des deutschen Überfalls auf Frankreich im Mai/Juni 1940 beschreibt. In welch hartem Kontrast steht das hier gezeichnete Bild der verschwenderischen Blütenfülle eines im Jahr 1940 besonders schönen Frühjahrs und Frühsommers zu der Realität des brutalen Einmarsches der deutschen Wehrmacht. Dieses Ereignis hat sich tief in das Bewusstsein unserer französischen Nachbarn eingebrannt und ihnen noch einmal bestätigt, was man spätestens seit dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 zu wissen glaubte: auf Deutschland und die Deutschen ist kein Verlass; sie sind unsere Feinde und werden es immer bleiben.

Erst vor diesem Hintergrund wird deutlich, was es tatsächlich bedeutete, als die beiden Staatsmänner Charles de Gaulle und Konrad Adenauer das Undenkbare wagten: eine Annäherung der beiden „Erbfeinde“. In kluger Voraussicht ahnten sie, dass Freundschaft zwischen zwei Völkern nicht auf der Basis von offiziellen Delegationstreffen entstehen kann. Sie setzten deshalb von Anfang an auf die umfassende Einbeziehung der beiden Zivilgesellschaften und in ganz besonderem Maß auf die Jugend Frankreichs und Deutschlands. Das ist vielleicht der entscheidende Grund für die außerordentliche Erfolgsgeschichte der deutsch-französischen Freundschaft, die mit der Unterzeichnung des Elysée-Vertrags und der ein Jahr später erfolgten Gründung des Deutsch-Französischen Jugendwerks im Jahr 1963 ihren Anfang nahm.

Heute schauen beide Länder voll Stolz auf über 2.200 Partnerschaften zwischen französischen und deutschen Städten und Gemeinden. Auch Greven und Montargis haben damals zueinander gefunden. Seither haben unzählige Besuche und Gegenbesuche stattgefunden, private und offizielle Kontakte wurden geknüpft, Freundschaften geschlossen und Deutsche wie Franzosen haben viel über ihre jeweiligen Partner gelernt.

Freundschaften bedürfen der Pflege, sonst rosten sie ein. In einer Zeit, in der das Reisen auch in sehr entfernte Länder heute kein Luxus mehr ist, mag der gegenseitige Besuch von französischen und deutschen Bürgern als Urlaubsziel weniger Reiz entfalten als noch vor 50 Jahren. Daher ist es wichtig, die interkulturelle Erfahrung stärker in das Zentrum der Begegnungen zu stellen. Dieses kann und sollte auch durch die Förderung der beiden Partnersprachen geschehen, denn – wie die eingangs zitierte Gedichtstrophe bezeugt – die Sprache ist das Fenster zur Seele eines Volkes und verrät viel mehr über Denken und Fühlen des jeweiligen Gegenübers als alle theoretischen Abhandlungen,.

Ich gratuliere den Städten Greven und Montargis zu 50 Jahren gelebter Partnerschaft und wünsche Ihnen, dass das „Band der Freundschaft“, welches sie damals symbolisch geknüpft und in das Logo der „Jumelage“ aufgenommen haben, auf Dauer bestehen bleibt.